80 Jahre Mitglied im CVJM Gosenbach

Ehrung für Fritz Hippenstiel / Als Turner und Musiker aktiv gewesen

Eine besondere Ehrung konnte in diesem Jahr der Vorstand des CVJM vornehmen: Fritz Hippenstiel, ältestes Mitglied im CVJM ist seit nunmehr 80 Jahren offizielles Mitglied. Im Mitgliederbuch von 1925 wird Fritz Hippenstiel erstmalig erwähnt. Mit 14 Jahren ist der Gosenbacher, der dieses Jahr seinen 95. Geburtstag feiert, damals dem "Jünglingsverein Gosenbach" beigetreten. Der Vorsitzende Benjamin Seidel sowie Gemeindediakon Karl Wagner und Friedrich Seidel als Vertreter des CVJM-Kreisverbandes statteten dem Jubilar zu diesem freudigen Anlass einen Besuch ab und überbrachten Fritz Hippenstiel auch Grüße sowie Glück- und Segenswünsche des Westbundes und des CVJM-Gesamtverbandes und überreichten ihm im Beisein von zweien seiner Söhne die goldene Ehrennadel des CVJM-Weltbundes.

Jubilar Fritz Hippenstiel

Fritz Hippenstiel war lange Zeit aktives Mitglied. Schon als Jugendlicher war er im damaligen Jünglingsverein schon sehr engagiert. Seine große Leidenschaft war der Sport, wo er gleich in mehreren Gruppen aktiv war: Neben Handball und Leichtathletik war vor allem ein hervorragender und passionierter Geräteturner, wie er den Gratulanten durch alte Fotos noch beweisen konnte: Damals fanden in den örtlichen Gaststätten Turnabende statt, in denen die Turner ihr Können zeigten - auch wenn es durchaus schon mal vorkam, dass ein Turner bei einem Überschlag den Halt verlor und in den Zuschauerrängen landete. Die Übungsstunden fanden seinerzeit draußen statt - in den Häusern waren die Decken meist zu niedrig. "Teilweise wurden aber in den Räumen Vertiefungen in den Boden gegraben, um am Reck turnen zu können", erzählte Fritz Hippenstiel schmunzelnd.

Karl Wagner gratuliert Fritz Hippenstiel

Aber nicht nur vor Ort waren die Turner aktiv, regelmäßig besuchten sie auch die Kreis- und Bundessportfeste des CVJM. Nicht selbstverständlich in einer Zeit, in der die Arbeitslosigkeit hoch war und die Leute entsprechend arm waren. Mit dem Fahrrad fuhren die jungen Turner damals bis nach Kassel zum Bundessportfest, das Zelt auf dem Gepäckträger. "Da war man froh, wenn man sich mal ein Stück an einen LKW hängen konnte und gezogen wurde", so Hippenstiel. Dabei waren die Gosenbacher Turner durchaus erfolgreich: Im Siebenkampf erreichte Hippenstiel auf Bundesebene eine vierten Platz, ein Sportskamerad aus dem Verein den zweiten.

Neben dem Sport war auch die Musik Fritz Hippenstiels Leidenschaft. Seit seiner Jugend mischte er auch im Männer- und Posaunenchor kräftig mit. Sein Vater war Mitbegründer des Posaunenchores in Gosenbach und nahm seine Söhne, wenn sie alt genug waren, zu den Vereinsstunden mit.

Allerdings kann Fritz Hippenstiel nicht nur über glückliche Zeiten berichten. Er weiß auch noch, wie den jungen CVJMern im Nationalsozialismus der Zugang zu den Übungsräumen verwehrt wurde: "Wutentbrannt mussten wir nach Hause gehen." Schließlich wurde der CVJM im Zuge der Gleichschaltung offiziell ganz aufgelöst. Die Bläser des Posaunenchors bekamen ihre Hörner geschenkt, damit sie dem Verein nicht zwangsenteignet werden konnten. Nach dem Krieg bildeten sich die Gruppen schnell wieder neu. 

Als Fritz Hippenstiel 1949 aus russischer Gefangenschaft zurückkehrte wurde er zu Hause von Posaunenchor, Männerchor und gemischtem Chor  empfangen und ihm wurde feierlich sein Horn überreicht. Von da an war er auch nach dem Krieg noch als Turner und Sänger im Männerchor aktiv, als Bläser im Posaunenchor sogar noch bis zu seinem 70. Lebensjahr, insgesamt also über 50 Jahre, bis es seine Gesundheit nicht mehr zuließ. Horst Klein als Vorsitzender des Posaunenverbandes bezeichnete ihn anlässlich des 100jährigen Bestehens des Posaunenchores 1997 gar als "Urgestein des Gosenbacher Posaunenchores". Sein liebstes Notenbuch war das Gemeinschaftsliederbuch. "Wenn er daraus spielte, konnte man ihm abspüren, dass er außer den Noten auch stets die Texte im Kopf hatte", berichtet sein Sohn.

Fritz Hippenstiel mit amtierendem und ehemaligen Vorsitzenden

Auch wenn er heute die Gruppenstunden der Gemeinde nicht mehr besuchen kann, verfolgt er die Arbeit im CVJM, in der nunmehr seine Enkel aktiv sind, noch interessiert und erzählt den jungen Leuten gerne lustige Geschichten aus der Zeit, als die Motorräder noch mit Karbidlampen fuhren und blickt dankbar auf sein langes Leben zurück.

Letzte Aktualisierung: 10.12.2005

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